L’HEURE BLEUE mit nonSordino

„Mir is so mulmig“
Liebe, Wut, Verzweiflung, Herzschmerz: Salome Kammer lotete in ihrem Chanson-Abend „L’heure bleue“ die emotionale Vielfalt dieser Gefühle aus. Ihre „Blaue Stunde“ im Rahmen des „Heidelberger Frühlings“ lockte viele Zuhörer in die Halle 02, schließlich standen einige der großen Klassiker des Genres auf dem Programm.
„Wenn ich mir was wünschen dürfte“, von Marlene Dietrich unvergesslich interpretiert, oder „Surabaya Johnny“, ein Stück, an dem keine Chanson-Sängerin vorbei geht. Und dann noch die Hits von Edith Piaf und Jacques Brel. Salome Kammer zeigte, dass sie die Kunst des Chanson-Gesangs beherrscht.
Sie verlieh jedem der Stücke eine ganz eigene Färbung, einen besonderen Tonfall. „Mir ist so mulmig um die Brust“ sang sie mit einem piepsig-kieksenden Stimmchen und Berliner Akzent, und so sah man vor seinem inneren Auge das sicher noch minderjährige Berliner Gör, das zum ersten Mal der Sexualität begegnet ist. Sehr lebendig – bis in die Mimik und Körpersprache hinein – stellte Salome Kammer auch die von Weill vertonte „Arme Verwandte“ dar.
Perfekt traf sie den lakonischen Tonfall des „Matrosensongs“. Grandios differenziert sang sie auch die Anklage gegen den herzlosen „Surabaya Johnny“.
Französische Chansons sind eine Welt für sich. Salome Kammer ging es nicht um Nachahmung, sondern um Nachempfindung. Mitreißend fing sie den Überschwang in „La vie en rose“ ein, und sie beherrscht das Tempo und den Wortwitz französischer Chansons. In der Zugabe, Piafs „Je ne regrette rien“, sang das Publikum begeistert den Refrain mit. Pianist Rudi Spring und das „Ensemble nonSordino“ erwiesen sich als ideale Begleiter für die Sängerin und hervorragende Musiker, die auch in Astor Piazzollas „Grand Tango“ durch Virtuosität und fantasievolle Gestaltung brillierten.

Quelle: Text: Nike Luber, Foto: studio visuell, Rhein-Neckar-Zeitung, 2015

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