Polyhymnia mit Salome Kammer und Uta Hielscher
… Im Mittelpunkt: die unvergleichliche Stimmkünstlerin Salome Kammer als Diseuse. Sie „performt“, würde das heute heißen, und schlüpft dabei in wechselnde Rollen und Kostüme. Doch bewundernswert ist vor allem, wie sie mit stimmlichen Mitteln ihr Publikum bei den einzelnen Nummern von Friedrich Hollaender, Rudolf Nelson, Kurt Weill und, man höre und staune, Arnold Schönberg, in den Bann zieht: zwischen mädchenhaftnaiv und abgefeimt, mal gefährlich leise, mal frivol aufdrehend oder köstlich berlinernd. Da reicht oft eine ungewohnte Vokalfärbung oder ein herausgeknallter Schlusskonsonant, dass sich hinter vermeintlich Harmlosem Abgründe auftun. Nicht zu vergessen: ebenso pointiert wie Kammers Stimmgestaltung ist hier Uta Hielschers passgenau mitgehendes Spiel am Flügel. Eingebaut ins ansonsten retrospektive Programm ist die Uraufführung der von der anwesenden und in den Schlussbeifall einbezogenen Komponistin Saskia Bladt vertonten „Gomringer Lieder“, die den Rahmen des Lieds in Richtung instrumental-vokales Theater weit überschreiten…
Gerhard Dietel, Mittelbayrische Zeitung, 8.6.2026
…Beim Konzert von Salome Kammer und der Pianistin Uta Hielscher gab es Kompositionen der letzten 125 Jahre zu hören. Darunter ein ganz besonderes Schmankerl der Komponistin Saskia Bladt als Uraufführung.
Es begann mit Friedrich Hollaender…Seine drei Songs zeigten von Anfang an das Können von Salome Kammer, die auf dem informativen Programmblatt als „Stimme“ angekündigt war, weil sie, im Rahmen des Aufgeführten, alles kann. Sprechen, Sprechgesang, Singen = Deklamation in allen Möglichkeiten, welche die Stimme hat. Und Salome Kammer ist auf jedem Gebiet der Stimmentfaltung großartig…
Sie ist wandelbar. Sie beherrscht ihre Stimme in allen Bereichen. Ihre Stimme, singend oder sprechend, ist stets gut verstehbar. Und dieses Verstehbare wirkt stets wie aus dem Moment heraus. Also gegenwärtig. Beispielsweise bei bei Hollaenders „Ach, lege deine Wange“ und „Die Kleptomanin“. Bei Kurt Weill spielte Kammer mit den Kontrasten, schlenderte von der Seeräuber-Jenny zum Surabaya-Johnny und platzierte dazwischen das völlig unbekannte „Marterl“: ein kleines Mosaiksteinchen voller Anmut und Hintersinn…. Vor der Pause die Uraufführung der 45-jährigen Saskia Bladt auf Texte der ein Jahr älteren Nora Gomringer. Ihre Werke zeichnen sich durch experimentelle und zugleich poetische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Zeit und Gemeinschaft aus…
Kristian Kuhnle, Straubinger Tagblatt, 8.6.2026
