Iris ter Schiphorst in Nuremberg

Festival Aktuelle Musik mit der Komponistin Iris ter Schiphorst
…Allein schon die Titel: “rumgammeln und warten” oder “Meine – keine Lieder”! Gerade diese beiden Stücke lebten von der unnachahmlichen Präsenz der Sängerin und Mimin Salome Kammer, einer Galionsfigur der Vokal-Avantgarde. Sie zeigt, wieviel “open space” sich Schiphorst nimmt: etwa bei der dadaistischen Annäherung an James Joyce, mit der Kammer in den Sassal getorkelt kommt. Das klang nach viel irischem Whisky gegen den “cold rain”, der schon dem Fascinator im Haar übel mitgespielt hatte.
Kammers umfangreicher und noch in jeder subtilen Feinheit perfekt ansprechender Sopran war auch das Ereignis in Schiphorsts “Meine – keine Lieder”. Nein, ein Lied mit dem Thema “nach 1945” wollte sie nicht komponieren, also wurde es eine “erweiterte Performance mit Musik”: mit Texten von Hanna Ahrendt und Inge Müller, mit der biedermännischen Schubert-Begeisterung eines KZ-Eichmann und den Kommentaren von Bassklarinette (Nina Janßen-Deinzer) und Klavierclustern (Christoph Grund). Dazu die Darstellungsextremen zwischen den Notenständern – am Ende bleibt die Grimasse von Salome Kammer…

Text: Uwe Mitsching, Nuernberger Nachrichten, 25.04.2016

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