Sind noch Lieder zu singen?

Was ist überhaupt an „The German Lied“?
Die Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart stellt die Gattung auf den Prüfstand und riskiert ein Dutzend neuer Lieder
…Kein Zufall, dass die drei suggestivsten Uraufführungen gerade aus der dezidierten Ferne zur deutschen Tradition der „Gefühlsreproduktion“ erwuchsen. Kein „erhabener“ Text, keine musikalische Vergangenheits-Prothese: stattdessen verstörte Fremdartigkeit. Die Komponistin Iris ter Schiphorst legte ihrem Stück „Meine – Keine Lieder/Die Aufgabe von Musik“ eine Text-Collage zugrunde, die die deutsche Geschichte der Geschichtsverdrängung thematisiert: Eichmann liebte Schubert. Musikalisch geschieht dies als grandiose Doppelperformance von Salome Kammer, die am Tisch sitzend spricht, Klagelaute addiert und Vokalisen singt, kontrapunktiert von Klavier und Bassklarinette. Martin Smolka dagegen lässt behutsam einen altchinesischen Text singen, zart von Klavier-Tupfern grundiert, näher an Morton Feldman als am Post-Expressionismus…

Text: Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2015

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