Salome Kammer

ARIADNE AUF NAXOS – Melodram von Georg Benda

INNSBRUCK/ Festwochen der Alten Musik/ Schloss Ambras:

Im Spanischen Saal von Schloss Ambras in Innsbruck brachten die Festwochen der Alten
Musik ein Konzert mit dreimal „Ariadne auf Naxos“. Im Mittelpunkt stand dabei das Drama in einem
Akt für Schauspieler und Klavier von Georg Anton Benda.Der in unseren Breiten eher wenig bekannte tschechische Komponist Georg Anton Benda (1722 – 1795)
entstammte einer böhmischen Musikerfamilie. Als Kapellmeister von Gotha komponierte er eine Reihe von
Singspielen, bekannt blieb er jedoch durch die Einführung des Melodrams oder Duodrams, bei dem der
gesprochene Text durch Musik begleitet wurde, wie beispielsweise Ariadne auf
Naxos oder Medea. Nachdem Mozart im Jahr 1778 eines der Melodrams gehört hatte, berichtete er seinem
Vater darüber voller Begeisterung.
Die musikalische Gestaltung des Abends oblag dem italienischen Pianisten Andrea Coen, der für Bendas
Melodram Ariadne auf Naxos (Libretto: Johann Christian Brandes), dessen Uraufführung im Jahr 1775
in Gotha stattfand, als Alternative zur Orchesterversion eine Fassung mit Hammerklavier entdeckte.
Bendas Werk für drei Schauspieler, das nach der Pause zur Aufführung kam, hatte folgende Besetzung:
Ariadne wurde von Salome Kammer, Theseus von Henry Arnold und Oreade von Hannah
Candolini dargestellt.Alle drei Schauspieler traten mit hässlichen Wangen-Mikrophonen auf, verfielen aber trotzdem nur selten ins „Schreien“, was leider nur allzu oft der Fall ist. Sie sprachen die Texte sehr wortdeutlich,
wobei Salome Kammer als Ariadne den stärksten Eindruck hinterließ. Es gelang ihr, sowohl ihre
Sehnsucht nach Theseus wie auch die Tragik der verlassenen Ariadne sprachlich subtil auszudrücken.
Dass die Natur dabei auf köstliche Weise durch ein Gewitter ihre Worte „untermalte“, war eine nicht zu
erwartende Zugabe. Ariadnes Zornausbruch „Zerschmettert mich durch Eure Blitze!“ wurde durch einen
den Spanischen Saal erhellenden Blitz begleitet, dem wenig später zu Ariadnes Worten „Horch! Welch‘
Geheul!“ ein gewaltiges Donnergrollen folgte.
Das von den Darbietungen begeisterte Publikum belohnte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem
Applaus. Es war ein Konzertabend der nicht alltäglichen Art.
Der Neue Merker 26.8.2017 von Udo Pacolt

 

 

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